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Die Liebe in Zeiten der Pandemie

In der Startup-Welt geht es zu 99% um Hipness, alles easy und smarte Lösungen. Auf der ewigen Suche nach Investor*innen, Multiplikator*innen und Kund*innen verkauft sich Erfolg und Leichtigkeit in der Regel besser als Blut, Schweiß und Tränen. Und wenn man einfach supergile sein muss, dann muss frau zusätzlich dazu noch sexy aussehen und vor allem lächeln.

Aber ich sag Euch mal was: Wenn wir wegen der Corona-Pandemie Leute entlassen müssen und wenn die, die dann noch da sind, die Aufgaben der anderen kurzerhand mit übernehmen müssen, dann ist das alles andere als supergile. Das sind Scheißentscheidungen. Wenn Lieferzeiten elektronischer Bauteile und medizinischen Silikons aus den USA die Produktionsfristen ins Unbestimmte verlängern und wenn gleichzeitig die mühsam aufgebauten Vertriebskanäle mit Auslistung drohen, dann sitzt der Herrendutt schonmal schief am Kinn und das Lächeln ist zeitweise gar nicht so authentisch wie’s die Frühstücksauskenner auf den Startup-Panels gern hätten.

Und das Team geht nach Hause. Die haben Kinder und Familien. Die arbeiten aus dem Homeoffice. Die halten jede Deadline. Die telefonieren den Vertriebspartner*innen hinterher, aus dem Auto, vom Fahrrad und vom Klo. Die erzählen sich jeden Morgen im Daily Call, wie es ihnen geht. Die machen nicht nur einfach ihre Arbeit, die halten sich aktiv fröhlich. Die haken sich unter und helfen sich.

Und dann steht das Team und lächelt matt, aber authentisch.

Und ich merke dann, was supergile heißt. Supergile ist nicht die Abwesenheit von Problemen. Supergile heißt anfassen, die Dinge zusammen zu machen. Supergile sind die vielen Hände und Köpfe, die unser Nussschälchen auf dem wilden Ozean über Wasser halten, und das sind auch die, die jetzt nicht mehr dabei sein können. Supergile heißt, ihnen allen in die Augen schauen und sagen zu können: “Danke, das hast Du gemacht, das haben wir gemacht!”