Weltmenstruationstag

Menstruationstasse

Am 28. Mai ist Weltmenstruationstag! Da will ich gleich mal den Garten schmücken gehen!

Was mir im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit im Zusammenhang mit der Menstruation aufgefallen ist: Es scheint wenig bekannt zu sein, was die Menstruation denn im Detail eigentlich ist. Meistens wird sie verkürzt auf „das ist halt die Monatsblutung“, was aber ignoriert, dass beileibe nicht jede Blutung eine Menstruation ist – und das ist ziemlich wichtig, zumindest, wenn man ein System betreibt, mit dem Nutzerinnen sicher ihren Zyklus bestimmen möchten.

Ich hole mal ein bisschen aus: Mit dem ersten Tag der Menstruation beginnt ein neuer Zyklus. Die NFP-Beraterin Adelaide Dechow, die wir immer fragen wenn wir mal ausnahmsweise was nicht selbst wissen (*räusper*), hat uns das ungefähr so verbildlicht: Wenn sich die Gebärmutter auf eine befruchtete Eizelle eingestellt hat, dann hat sie das „Kinderzimmer“ liebevoll hergerichet, damit sich die befruchtete Eizelle schön einnisten kann, sich wohlfühlt und gut entwickeln kann. Wenn die Eizelle dann aber gar nicht befruchtet ist, dann wird die ganze Einrichtung rausgeworfen, um Platz für die neue Einrichtung für die nächste Eizelle zu schaffen.

Grundsätzlich darf frau während dieser „Renovierung“ annehmen, dass die ersten fünf Tage eines neuen Zyklus unfruchtbar sind (da kommen noch ein paar Einschränkungen dazu, die ich aber jetzt hier mal der Einfachheit halber hinten anstellen möchte). Heißt also: Ah, Blutung, neuer Zyklus, unfruchtbar!

Was aber, wenn diese Blutung gar keine Menstruation ist? Es gibt nämlich durchaus (und zwar gar nicht so selten) Blutungen, die rund um den Eisprung stattfinden, die periovulatorischen Blutungen. In dieser Zyklusphase ist frau im Gegensatz zum Zyklusbeginn tierisch fruchtbar – und das bedeutet, dass eine Verwechslung von Menstruation mit periovulatorischer Blutung sehr äh… lebensentscheidend werden kann.

Woran erkennt frau also eine Menstruation? Die allgemeine Definition für den ersten Tag der Menstruation lautet:

Der erste Tag mit einer Blutung in gewohnter Stärke nach einem Eisprung.

Das ist ja einfach! Ich muss also nur wissen, dass ein Eisprung stattgefunden hat, dann auf die nächste Blutung warten, Menstruation, Feierabend. Bei trackle machen wir das daher so, dass wir, wenn die Nutzerin eine Blutung einträgt, checken, ob vorher ein Eisprung stattgefunden hat. Und Ihr ahnt, was kommt: Und was ist im ersten Zyklus? Da kann ich ja noch gar keinen vorhergehenden Eisprung nachgewiesen haben! Genau so ist es. Daher gibt unser System im ersten Zyklus auch keine Tage am Zyklusbeginn frei, sondern nimmt so lange potenzielle Fruchtbarkeit an, bis der erste Eisprung sicher gefunden ist. Das gleiche gilt, wenn in einem Zyklus mal kein Temperaturanstieg gefunden werden konnte, dann müssen wir für die nächste Blutung „potenziell fruchtbar“ annehmen.

Aber genug von diesen Details und meinem Gemansplaine, wer mehr dazu erfahren möchte, kann sich gern an Fr. Dechow oder unseren Support wenden.

Denn was ich eigentlich sagen wollte: Weltmenstruationstag! Hey! Party!

Früher™ hat mich allein das Wort Menstruation für mehrere Stunden außer Gefecht gesetzt, weil ich erstens kaum Wissen zu dem Thema hatte und weil die Menstruation zweitens gesellschaftlich noch stärker tabuisiert ist als Sex und Tod zusammen (blaue! Ersatzflüssigkeit in Bindenwerbung inklusive). Durch die Beschäftigung mit den physiologischen Abläufen und die positiven Verbildlichungen von Adelaide Dechow hat sich das bei mir sehr verändert.

Ich glaube, dass niemand so leicht aus gesellschaftlichen Prägungen ausbrechen kann, daher poste ich das hier so, wie das bei mir abgelaufen ist. Ich glaube, dass eine Forderung nach „unvoreingenommener Beschäftigung mit dem Thema“ etwas Erklärung benötigt. Niemand kann seine/ihre Voreingenommenheit einfach beiseite wischen, ich konnte das auch nicht. Aber man/frau kann sich trotz Voreingenommenheit mit dem Thema auseinandersetzen und siehe da: Die Voreingenommenheit wird zuerst von Albernheiten („Menstruation sind also Tapetenreste?!“) und dann, wenn frau/man sich mit den hormonellen und physiologischen Hintergründen auseinandergesetzt hat, durch Faszination und zum Schluss durch Normalität verdrängt. Atmen zum Beispiel ist für uns seit immer etwas banales, obwohl die Luft ganz tief in einer finsteren feuchten Lunge verharrte, dort allen möglichen Austauschen ausgesetzt war und dann ungefiltert einfach wieder rausgepustet wird. Klingt so gesehen ekelig. Ist aber ganz normal, einen Weltatemtag brauchen wir nicht, einen Weltmenstruationstag schon.

Das hier soll mein Beitrag zu seiner Abschaffung sein: Ja, es ist Blut und in Sachen Optik hat die Natur vielleicht die eine oder andere Rosenholzmaserung hervorgebracht, die einer Menstruationsblutung überlegen ist. Aber die Sicherheit, mit der ein Hormon auf das andere ausgeschüttet wird und mit der schließlich der Zyklus sommers wie winters nach klarem Muster abläuft, ist imho close to perfect. Wir sollten das ein bisschen mehr feiern und ein bisschen weniger auf Rosenholzmaserungen starren.

Dieser Beitrag von Maxim Loick, Mitgründer der trackle GmbH, ist zuerst erschienen am 28.05.2020 auf loick.de und wird mit ausdrücklicher Erlaubnis des stolzen Autors hier veröffentlich.